Die Dunkelheit ruft mich. Sie ist mein ewiger Gefährte, mein Anhang, mein innerliches Sein. So, wie Du das Licht suchst, so sucht das Schwarz mich immerzu auf. Vielleicht bin ich auf meine eigene Weise verdammt. Verdammt dazu, in Einsamkeit durch die Welt und ihre Jahrzehnte zu streifen. Sicher suche ich auch andere Seelen, aber sie begleiten mich immer nur phasenweise auf meinem Weg. Denn mein Pfad führt mich woanders hin als der ihre. Ich war schon in der Hölle, in Begleitung meiner eigenen Dämonen, gefoltert, an den Grund des Selbst gedrückt, bis nichts mehr übrig von mir war. Die simpelsten Schwächen ausgenutzt und gegen mich verwendet. Nun, ich habe mich der Dämonen erwehrt und stehe noch. Stärker als jemals zuvor. Denn ich habe mich gegen die Dunkelheit behauptet. Sie nicht als einen Teil von mir abgelehnt, aber sie mich auch nicht voll übernehmen lassen. Und sie weiß jetzt um meine Stärke und hat Respekt vor ihr. Genau deswegen geht sie auf Abstand, lässt mich als Wesen ihrer Dimension nicht mehr los, aber greift mich auch nicht mehr an.

Du würdest sagen ich habe einfach nur eine ausgeprägte dunkle Seite. Aber es ist so viel mehr als das. Die Dunkelheit, das Böse, das Schwarze, ist ein fester starker Bestandteil meines Selbstes geworden. Vielleicht sogar stärker als meine hellen Anteile. Ich muss sehr genau aufpassen, welchem inneren Sehnen ich nachgebe. Denn es könnte sein, dass ich nur die Dunkelheit und Verdammung damit weiter füttere, damit sie stärker wird und mich irgendwann ganz übernehmen kann. Selbst Dämonen haben es leichter als ich. Sie wissen sehr genau wo sie stehen. Sie dienen der Dunkelheit und ihr Herr ist der Teufel. Ich aber bin ein Mischwesen. Geboren im Licht aber verwoben mit der Dunkelheit und ihren Herren. Ich habe keinen Meister, dem ich diene. Von Außen muss ich auf niemanden hören. Denn ich habe es in meinem Innern verewigt. Welcher Seite ich auch nachgebe, sie wird stärker. Und passe ich nicht auf, so werde ich ein Mittel der pursten Dunkelheit und Vernichtung, Verdammung. Sie wird so stark werden, bis sie mich daran hindert, auch nur ein nettes Wort über die Lippen zu bekommen. Ich werde zu einem Prinzen der Dunkelheit auf seinem einsamen Thron. Denn selbst die Dämonen akzeptieren mich nicht als einen der ihren. Wissen sie doch, dass ich auch immer noch eine Seele und das Licht in mir trage. Ich kann mich der Dunkelheit erwehren und das Licht mit aller Kraft wählen. Aber selbst im strahlenden Licht, wenn ich mich als rein uns unschuldig betrachte, wird die in mir wohnende Dunkelheit nicht vergessen lassen, dass da auch ein Mehr in mir ist.

Ich habe andere Menschen beobachtet. Und sie haben nicht so eine Last auf ihren Schultern, in ihrem Innern. Sie haben auch eine dunkle und helle Seite, aber ist die niemals so ausgeprägt, so stark, wie es bei mir der Fall ist. Sie streifen das Licht, die Dunkelheit und doch färben sie sich nicht vollkommen ein, wird es bei ihnen nicht so stark und innerlich fühlbar, wie eine Sucht, wie eine massive Kraft, wie ein Sehnen, wie ein Drängen.

Vielleicht habe ich mich mit meinem Sein einfach zu tief hereingewagt? Habe mich der Hölle und dem Himmel zu sehr, zu stark präsentiert? So dass man mich in meiner selbstgeglaubten Stärke wahrnehmen und prüfen musste? Und da man um meine wahre Stärke weiß, macht man es mir auch nicht mehr leicht. Ich muss eine Seite wählen oder mich dem ewigen Kampf als Mittler entgegenstellen. Ein Kampf, eine Schlacht, die niemals endet, niemals enden kann, solange es die Dualität der Mächte gibt. Und so weiß ich um meine Verdammung als einsame Seele durch die Welt zu streifen. Mit Maske und aufgesetztem Lächeln dem Nächsten gegenüber, der nichts von meinem ewigen Kampf und meiner Last weiß. Dem vorbeistreichenden Nächsten ist dies auch nicht von Bedeutung. Wird er doch nur eine Seele, die mein Sein für begrenzte Zeit umspült. Nicht auf lange Dauer unseres gemeinsamen Pfades festgelegt ist. Und auch sonst trage ich meine Maske sehr gut. Denn ich habe da draußen in meiner Alltagswelt noch niemanden finden können, der meinem Sein im Innersten gleicht. Der so sehr in die Tiefe im Erleben und Denken geht, wie ich es tue. So bin ich ein Einsamer mit all meiner eigenen Wahrheit, trage meine Last aufrecht und fechte den Kampf gegen die Dämonen Tag ein und Tag aus immer weiter.

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